Die Historische Linden-Doppelallee in Seestermühe ist gerettet

Die 300jährige, denkmalgeschützte Lindendoppel-Allee auf Gut Seestermühe, Teil einer barocken Gartenanlage und 2010 vom Heimatbund Schleswig-Holstein als einer der schönsten Alleen des Landes prämiert, ist akut im Bestand bedroht.

Nun ist es einem Runden Tisch von Akteuren unter der Leitung und Koordination des gemeinnützigen Fördervereins KulturLandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. gelungen, knapp 200.000 EUR an Fördermitteln zur Durchführung der erforderlichen Baumpflege, von Neupflanzungen und Umweltbildung einzuwerben. Den Löwenanteil von 80.000 EUR hat die BINGO! Umweltlotterie beigesteuert. 

Hier ein Link zu einem Video der Arbeiten an der Allee

„Die historische Lindenallee Seestermühe ist gerettet! Die notwendigen Baumpflegemaßnahmen und Neupflanzungen können ab heute erfolgen. Wir sind als Runder Tisch am Erhalt der Allee interessierter Akteure sehr erleichtert und danken allen Fördermittelgebern sowie ehren- und hauptamtlichen Mitstreitern im Projekt.“, sagt Dr. Frank Schoppa, Initiator und Koordinator des Projekts als Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. 

Der 2015 gegründete Runde Tisch „Erhalt der Barockallee Seestermühe“ umfasst neben dem Initiator und Projektkoordinator folgende Akteure: 

  • Prof. Dr. Holger Gerth, Landesnaturschutzbeauftragter SH
  • Dr. Margita Meyer, Landesdenkmalamt SH
  • Andreas Köhler, Fachbereichsleitung Kreis Pinneberg
  • Jörg Kastrup, Untere Naturschutzbehörde, Kreis Pinneberg
  • Antje Metzner, Untere Denkmalschutzbehörde Kreis Pinneberg
  • Thorsten Rockel, Bürgermeister der Gemeinde Seestermühe
  • Graf und Gräfin von Kielmansegg, Gut Seestermühe
  • Ernst-Wilhelm Rabius, Vorsitzender Verein zur Erhaltung Historischer Gärten SH e.V.
  • Axel Huckfeldt, Vorsitzender Bund dt. Baumschulen SH e.V.
  • Achim Meierewert, GF Fachverband GaLaBau SH e.V.
  • Wolfram Munder, Bund dt. Landschaftsarchitekten SH e.V.

 

Thorsten Rockel, Bürgermeister der Gemeinde Seestermühe:

„Die Gemeinde Seestermühe freut sich sehr, dass das überregionale Engagement dazu beigetragen hat, dass die historische Lindenallee weiterhin für uns alle erhalten bleibt. Auf unbürokratische Art und Weise ist es gelungen, verschiedenste Akteure für das Projekt zu begeistern. Wir danken allen Mitstreitern, die durch Finanzierung und anderen Dienstleistungen zum Erhalt der Lindenallee beigetragen haben. Allen voran Herrn Dr. Schoppa, ohne dessen persönliches Engagement wir dieses Ziel niemals erreicht hätten.“ 

Alexander Graf von Kielmansegg, Eigentümer:

„Ich bedanke mich sehr für die Initiative von Herrn Dr. Schoppa, seit 2015 den Runden Tisch zur Sanierung der Lindenallee immer wieder zusammengeführt zu haben. Außerdem auch allen Beteiligten des Runden Tisches für die Mitarbeit und Ideen, um immer wieder Förderungsmöglichkeiten aufzutun. Wir sehen heute den Erfolg dieses gemeinsamen Projektes.“

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Das Gut Seestermühe ist die bedeutendste barocke Herrenhausanlage im Pinneberger Kreisgebiet. Die Anlage (einschließlich Park und Alleen) ist seit 2005 als gesamte Gutsanlage unter Denkmalschutz gestellt worden und ist seit 1751 in Besitz der Grafen von Kielmansegg, die das Gut in der holsteinischen Elbmarsch seitdem bewirtschaften. Der Barockgarten, zwischen 1700 und 1710 erbaut, besteht bis heute in seinen Grundstrukturen aus der ca. 700 Meter langen Linden-Doppelallee (572 Bäume, ca. 300 Jahre alt), mit Kanal und Teehaus, und ist teilweise (im rechtsseitigen Alleeflügel mit Weg) öffentlich zugänglich. 2010 wurde die Linden-Doppelallee im Rahmen eines BINGO-Projektes durch den Schleswig-Holsteinischen Heimatbund als schönste Allee Schleswig-Holsteins in privatem Besitz gekürt. Die historische Linden-Doppelallee ist denkmalschutz- und naturschutzrechtlich geschützt. 

Das Gut Seestermühe in Seestermühe ist neben dem Haseldorfer Gut die zweite Gutsanlage in den Pinneberger Elbmarschen. Außer dem repräsentativen Herrenhaus sind mehrere Nebengebäude erhalten. Gartengeschichtlich bedeutsam ist eine ca. 700 Meter lange vierreihige Lindenallee, an deren Ende ein barocker Gartenpavillon steht. Die Allee ist das Relikt einer größeren französischen Gartenanlage, die um 1710 angelegt wurde. Mit 700 Metern Länge hat die vierreihige Hauptallee in der ebenen Marschlandschaft eine beeindruckende Fernwirkung und erzählt anschaulich die Geschichte einstiger barocker Pracht. Die Allee besteht überwiegend aus 572 Linden. Im vorderen Teil, den Kanal begleitend, gesellen sich jedoch auch Hainbuchen dazu, die vermutlich zu einem etwas späteren Zeitpunkt gepflanzt wurden. Ursprünglich bildeten die Bäume, in sogenannter Kandelaberform geschnitten, eine geschlossene, strenge Raumkante im barocken Garten. Ausgedehnte Obst- und Küchengärten lagen südlich, östlich und auch westlich der beiden Inseln. Anders als viele andere Barockgärten ist der Garten von Seestermühe im 19. Jahrhundert nicht landschaftlich überformt worden. Seine Grundstruktur mit der großen Doppelallee mit Kanal und dem Teehaus am Ende dieser 700 Meter langen Hauptgartenachse ist bis heute erhalten. (Quelle: Beschaffungsdienst Galabau)